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Von Bernhard Pelka
Offenbach * Müssen das goldene
Zeiten gewesen sein, als die Stadtkasse einen Tresor braucht, in dem
bis zu 250000
Mark versichert waren! An solche weit
zurückliegenden Tagen erinnert ein Schriftstück
im Kassenschrank Nr. 4, der
gestern in der früheren Stadtkasse (heute 1. Polizeirevier) am
Mathildenplatz zum Abtransport zerlegt
wurde.
"in
diesem Schrank (...) sind bis zur
Aufbewahrung bei Tag und Nacht an Bargeld, Banknoten, Sparkas-senbücher
usw. insgesamt 250 000 DM versichert", hat auf dem Zettel ein gewisser
Herr Jäger mit Datum vom 5. April 1949 notiert. Seither klebte der
Hinweis in dem Geldschrank, obwohl die Stadtkasse schon lange das
Gebäude verlassen hat und danach die Polizei den Safe zur Verwahrung
besonderer Akten verwendete.
Der heutige Stadtkämmerer Michael Beseler müsste ange- sichts der Notiz
seines ehe- maligen Rathaus-Kollegen eigentlich neidisch werden. Denn in
der Stadtkasse klafft heute ein tiefes Loch.
Diese Frage beschäftigte die Spezialisten der Fritz Tresor- Transporte
GmbH gestern freilich weniger. Vielmehr kämpften Sie mit der
hervorragenden Qualität des Kassen-schrankes. Der muss laut Seriennummer
zwar schon zwischen 1885 und 1890 gebaut worden sein (1885 war das
Gebäude als Kunstgewerbeschule errichtet worden). Aber die Zeit hat dem
Stahl nichts von seiner Härte nehmen können. Die Arbeit von Experten der
einst führenden Frankfurter Fabrik für Geldschrank- und Tresorbau
Franz Garny, erwies sich als von dauerhafter Güte.
"Der Tresor gehört zu den stärksten mobilen Tresoren, die damals von
dieser Firma angefertigt |
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wurden",
berichtet Geschäftsführer
Ralf Michael
Fritz. Mit bis zu fünf Mann mühte sich der Tresortechniker seit Mittwoch
ab, um den Vier-Tonnen-Koloss zu zerlegen. Zum Auftrag gehört überdies
der Abtransport zweier weiterer Kassenschränke.
Das Gebäude
am Mathil- denplatz befindet sich im Besitz der Stadt und wird seit 2002
renoviert. Das städtische Liegenschaft- amt hatte den Tresor- Auftrag
vergeben.
zusätzlich
zur herkömm- lichen Armierung war der Stahlschrank vor etwa 120 Jahren
mit einer 20 Millimeter starken Panzerung versehen worden.
"Dieses
Material kann weder gebohrt, noch gesägt oder geschweißt werden",
erläuterte Fritz.
Der legale
Panzerknacker und seine " Kompliezen"
mussten
den Nieten zusammengehaltenen Schrank folglich in seine Einzelteile
zerlegen. 700 Nieten boten größten Widerstand!
Muskelkraft, ausgeklü- gelte Technik und Geschick waren erforderlich bis
die robuste Antiquität endlich Stück für Stück zum Transport auf einer
speziellen Raupe bereit lag. Sie überwand auf ihren Gummiketten die
Stufen zur Mathilden-strasse mühelos -
trotz
der schweren Last. Die Überreste des Panzerschranks werden nun der
Wiederverwertung zugeführt und verschifft.
Wohin? Ins Wirtschaftswunderland China! |
Ralf Michael Fritz (Bild oben) und seine Männer
hatten große Mühe, bis der historische Panzer- schrank endlich zerlegt
und zum Transport bereit war. Es wurde gebohrt, gehämmert (geflucht) und
gestemmt. Das stäh- lerne Prachtstück diente einst der Stadtkasse und war
von herrlichen Beschlägen und Firmenschildern verziert. Im Zuge der
Renovierung des Gebäudes, das heute die Polizei nutzt, wurden insgesamt
drei Geldschränke aus dem Haus transportiert. Dies hatte auch statische
Gründe. Immerhin brachte der große Klotz etwa vier Tonnen auf die Waage.
Fotos: Georg |