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Samstag, 30. September 2006             OFFENBACH POST

Panzerknacker leisteten gestern

im 1. Polizeirevier ganze Arbeit

Historischer Geldschrank bot großen Widerstand/Echte Qualitätsarbeit/Zum Recycling nach China

Von Bernhard Pelka

Offenbach * Müssen das goldene Zeiten gewesen sein, als die Stadtkasse einen Tresor braucht, in dem  bis  zu 250000  Mark  versichert waren! An  solche  weit  zurückliegenden Tagen  erinnert  ein Schriftstück     im     Kassenschrank Nr. 4,  der  gestern in der früheren Stadtkasse (heute 1. Polizeirevier) am  Mathildenplatz   zum    Abtransport zerlegt wurde.

  "in diesem Schrank (...) sind bis zur Aufbewahrung bei Tag und Nacht an Bargeld, Banknoten, Sparkas-senbücher usw. insgesamt 250 000 DM versichert", hat auf dem Zettel ein gewisser Herr Jäger mit Datum vom 5. April 1949 notiert. Seither klebte der Hinweis in dem Geldschrank, obwohl die Stadtkasse schon lange das Gebäude verlassen hat und danach die Polizei den Safe zur Verwahrung besonderer Akten verwendete.

  Der heutige Stadtkämmerer Michael Beseler müsste ange- sichts der Notiz seines ehe- maligen Rathaus-Kollegen eigentlich neidisch werden. Denn in der Stadtkasse klafft heute ein tiefes Loch. Diese Frage beschäftigte die Spezialisten der Fritz Tresor- Transporte GmbH gestern freilich weniger. Vielmehr kämpften Sie mit der hervorragenden Qualität des Kassen-schrankes. Der muss laut Seriennummer zwar schon zwischen 1885 und 1890 gebaut worden sein (1885 war das Gebäude als Kunstgewerbeschule errichtet worden). Aber die Zeit hat dem Stahl nichts von seiner Härte nehmen können. Die Arbeit von Experten der einst führenden Frankfurter Fabrik für Geldschrank- und  Tresorbau Franz Garny, erwies sich als  von dauerhafter Güte.

   "Der Tresor gehört zu den stärksten mobilen Tresoren, die damals von dieser Firma angefertigt

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wurden",  berichtet  Geschäftsführer

Ralf Michael Fritz. Mit bis zu fünf Mann mühte sich der Tresortechniker seit Mittwoch ab, um den Vier-Tonnen-Koloss zu zerlegen. Zum Auftrag gehört überdies der Abtransport zweier weiterer Kassenschränke.

Das Gebäude am Mathil- denplatz befindet sich im Besitz der Stadt und wird seit 2002 renoviert. Das städtische Liegenschaft- amt hatte den Tresor- Auftrag vergeben.

zusätzlich zur herkömm- lichen Armierung war der Stahlschrank vor etwa 120 Jahren mit einer 20 Millimeter starken Panzerung versehen worden.

"Dieses Material kann weder gebohrt, noch gesägt oder geschweißt werden", erläuterte Fritz.

Der legale Panzerknacker und seine " Kompliezen"

 mussten den Nieten zusammengehaltenen Schrank folglich in seine Einzelteile zerlegen. 700 Nieten boten größten Widerstand!

Muskelkraft, ausgeklü- gelte Technik und Geschick waren erforderlich bis die robuste Antiquität endlich Stück für Stück zum Transport auf einer speziellen Raupe bereit lag. Sie überwand auf ihren Gummiketten die Stufen zur Mathilden-strasse  mühelos -

 trotz der schweren Last. Die Überreste des Panzerschranks werden nun der Wiederverwertung zugeführt und verschifft.

Wohin? Ins Wirtschaftswunderland China!

Ralf Michael Fritz (Bild oben) und seine Männer hatten große Mühe, bis der historische Panzer- schrank endlich zerlegt und zum Transport bereit war. Es wurde gebohrt, gehämmert (geflucht) und gestemmt. Das stäh- lerne Prachtstück diente einst der Stadtkasse und war von herrlichen Beschlägen und Firmenschildern verziert. Im Zuge der Renovierung des Gebäudes, das heute die Polizei nutzt, wurden insgesamt drei Geldschränke aus dem Haus transportiert. Dies hatte auch statische Gründe. Immerhin brachte der große Klotz etwa vier Tonnen auf die Waage.

Fotos: Georg

 

 

   
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